Individualpädagogische und Intensivpädagogische Einzelbetreuung/ Einzelfallmassnahmen
umfassen hochindividualisierte Betreuungsformen als pädagogische Hilfearrangements, die hinsichtlich Intensität, Setting, Beziehungsangebot, Wohnform und Alltagsgestaltung flexibel an die spezifischen Bedürfnisse, Ressourcen und Entwicklungsaufgaben eines Kindes oder Jugendlichen und deren Lebensrealität angepasst werden.
Die Zielgruppe umfasst Kinder und Jugendliche in den Hilfen zur Erziehung, mit hohem Unterstützungsbedarf („kids at high risk“), die aktuell durch delinquente, selbst- oder fremdgefährdende Verhaltensweisen auffallen und bestehende pädagogische Hilfesettings nicht oder nur unzureichend annehmen können. Häufig gelten diese jungen Menschen als schwer erreichbar und stellen ihr soziales Umfeld vor erhebliche Herausforderungen.
Ziel der Maßnahme ist es, Kinder und Jugendliche vorübergehend aus hochbelastenden und/oder eskalierenden Lebenssituationen und Gefährdungen von sich und anderen herauszulösen. Angestrebt wird eine Stabilisierung, insbesondere eine Neuorientierung hinsichtlich gefährdender Lebenswelten, die Förderung von Desistance-Prozessen, die Entwicklung tragfähiger Zukunftsperspektiven sowie die Ermöglichung individueller positiver Entwicklungsschritte. Die Maßnahme versteht sich als Brücke zu weiterführenden Hilfen und als Möglichkeit, Entwicklungsfenster für junge Menschen zu öffnen.
Durch angestrebte Auszeiten entstehen neue Lebens- und Erfahrungsräume. (Dies sind weder Urlaubsaktionen noch Freizeitpädagogische Projekte.)
(Auslands) Auszeiten als „System Break“ unterbrechen belastende Dynamiken und bieten Milieufern die Möglichkeit positive Identitätsentwicklungen zu etablieren, abseits problematischer aktueller Lebensrealitäten. Wirkfaktoren sind hierbei die Beziehungskontinuität, das Leben mit den Betreuer:innen an einem neuen Lebensort fernab der aktuellen problematischen „Identität“. Ausland mit fremder Sprache und neuem Lebensort schaffen eine Distanz die Abgängigkeiten verhindert, regen Interesse durch neue Eindrücke und können als Sicherer Ort genutzt werden ohne bisherige Einflüsse.
Die Betreuung wird durch wenige Betreuungspersonen (familienähnlich) umgesetzt und ist nicht unmittelbar an einen festen Ort (Einrichtung) gebunden. Dadurch können flexible und bedarfsorientierte Betreuungsformen gestaltet werden.
Im Rahmen der intensiven 1:1-Betreuung und gemeinsamer Alltagsgestaltung mit den Betreuungspersonen, werden korrigierende Bindungserfahrungen ermöglicht, als auch soziale Kompetenzen in direkter Co-Regulation erweitert. Es wird gemeinsam eine Tagesstruktur erarbeitet und an bisherigen Verhaltensweisen gearbeitet mit dem Ziel einer Reintegration und Regulierungsfähigkeit um überhaupt nicht gefährdende Gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Die Betreuung orientiert sich an bindungs-, trauma- und entwicklungspsychologischen Erkenntnissen und zielt darauf ab, Selbstregulationsfähigkeiten zu stärken, Stress zu reduzieren und neue Handlungsspielräume zu eröffnen als Alternative zu aktuellem (hoch) risikoreichem Verhalten.